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Schönheit und Maßstab Schönheit und Maßstab

Schönheit und Maßstab

Schönheit gehört niemandem allein. Jede Zeit hat ihre Bilder, jedes Volk seinen Blick. Was an einem Ort edel wirkt, kann anderswo fremd sein. Das ist kein Widerspruch. Schönheit lebt auch aus Herkunft, Erinnerung und Gewohnheit.

Trotzdem ist sie nicht beliebig. Wir spüren, ob die Dinge zueinander passen. Ein Gesicht, ein Haus, ein Kleid, ein Garten oder ein Duft wirken schön, wenn Maß, Spannung und Ruhe zusammenfinden. Schönheit entsteht nicht durch Schmuck. Sie entsteht, wenn die Verhältnisse stimmen.

Das sieht man an einem alten Haus, dessen Fenster, Tür und Dach zusammengehören. Man bleibt gern davor stehen. Das sieht man an einem jungen Gesicht, in dem Ordnung und Leben zusammenkommen. Und man sieht es an einem alten Gesicht, wenn Erfahrung, Haltung und Ruhe darin liegen.

Jugend allein macht nicht schön. Alter nimmt Schönheit nicht notwendig fort. Schönheit ist mehr als Glätte. Sie hat mit Leben zu tun, mit Maß, mit Ausdruck und mit einem Blick, der haften bleibt.

Wir sollten uns wieder öfter fragen, was wir schön finden und warum. Mit welchen Menschen, Räumen, Worten, Klängen und Dingen wollen wir leben und mit welchen nicht? Was hebt uns? Was macht uns stiller, klarer, aufrechter?

Schönheit verlangt Sorgfalt. Wer schöner leben will, muss wählen, ordnen, pflegen und manches lassen. Das gilt für Häuser und Kleidung, für Sprache und Umgang, für Arbeit und Alltag.

Wenn alles schön heißen soll, sagt das Wort nichts mehr. Dann zählt der bloße Reiz so viel wie die sorgfältige Gestalt. Dann wird Aufmerksamkeit mit Schönheit verwechselt.

Treulich richtet den Blick auf Dinge und Gewohnheiten, in denen man sich wiedererkennt. Nicht alles muss neu sein. Nicht alles muss auffallen. Es muss stimmen.

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